Texte

Weihnachtsgedanken 2009

Wieso markiert man sich den Heiligen Abend eigentlich nicht mit einem dicken, roten Edding im Kalender? Immer nach Weihnachten nimmt man sich vor, im kommenden Jahr rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen. Aber nein, jedes Mal schlagen die Feiertage wie ein Blitz aus heiligem Himmel auf einen ein. Man vergisst bestimmt wieder was. Sei es vor den Festivitäten, während den ruhigen Tagen oder nach der ganzen Schmonzette. Man vergisst immer etwas.

Vor zwei Jahren zum Beispiel haben wir vergessen, die Weihnachtsplätzchen zu essen. Irgendwann im Frühjahr waren wir dann doch mal neugierig und haben in die Blechdosen neben unserem Schlafzimmerschrank geschaut.

Vor vier Jahren saßen wir am Heiligen Abend nach dem Essen am Tisch und blickten auf einen unbenutzten Teller. Meine Frau und ich sahen uns an, bis sie mich fragte, wo denn Omma sei. Mir fiel ein, dass ich sie abholen wollte. Sie machte mir sogar die Tür auf und stand auch schon fertig im Mantel verschnürt da. Sie meinte, ich solle doch erstmal die Geschenke ins Auto verladen. Jo, das war auch das Letzte, was ich von ihr gehört habe. Und ich wunderte mich noch, warum es diesmal so ruhig im Auto sei.

Es passierte auch schon mal, dass wir den 24.Dezember total verdrängt hatten und unsere Kinder standen vor dem Haus, während wir überrascht waren, dass in unserem Lieblingslokal so wenig los sei.

Eines steht auf jedenfall fest. Wenn man die erste Kerze vom Adventskranz auch gleich am ersten Advent anzündet und regelmäßig immer eine Woche später eine weitere dazu nimmt bis alle vier brennen, dann hat man wenigstens gut einen Monat Zeit sich auf Weihnachten einzustellen. Aber meistens passiert es, dass man zwei Tage vor Christi Geburt wie verrückt nach dem Plastiktannenrund zu suchen beginnt.

Aber irgendwie nimmt man die ganze Sache auch viel zu ernst. Alle Jahre wieder der selbe Stress. Muss das wirklich sein? Wenn man sich allerdings hinterlistige Tricks einfallen lässt und heimtückische Pläne schmiedet, können es tatsächlich entspannte und frohe Festtage werden.

In den vergangenen Jahren habe ich mich zum richtigen Weihnachtsmafiosi entwickelt. Ja, ich will sogar behaupten, dass ich nun ein Feiertagsschmarotzer bin. Gut, ist jetzt vielleicht nicht unbedingt ein Titel, mit dem sich jeder gerne schmücken wollte, aber ich bin stolz drauf und auch mittlerweilen soweit, dass ich mein Wissen gerne weitergeben will.

Wenn Sie also möchten!? – Gut…

1. Operation Engelsauge oder Wie wird man die lästige Plätzchenbackerei los :
Plätzchenbacken ein Graus. Wochenlanges stöbern in diversen Rezeptbüchern oder in Weihnachtssonderausgaben von „Ich und meine Familie“, „Frau, Herd und andere Katastrophen“ oder „Abenteuer Küche“. Anschließend entscheidet dann die beste Ehefrau von allen, doch wieder auf die alten Rezepturen von Omma zurückzugreifen, denn die waren schon immer die besten. Dann geht es weiter. Norma und Aldi werden das Angriffsziel der enthusiastischen Hausfrau und sie beladet den 1-Euro-Gitterwagen randvoll mit Oblaten, gemahlenen Nüssen, Rosinen, Mehl, Zucker etc. Heimische Großbäckereien wären neidisch ob der vielen Zutaten, die hier zu verbraucht werden drohen. Zuhause hat man dann wochenlang das Gefühl, mit der Frau verheiratet zu sein, die dieses Jahr dazu auserkoren ist, die Plätzchen für die ganze Stadt zu backen. Hinfassen sollte man sowieso nirgends, da man sonst als Hobby-Heimwerker neidisch wird, aufgrund der hohen Klebekraft, welche in der ganzen Wohnung herrscht. – Also, Schluss damit !!!

Man hat doch schließlich einige im Bekannten- und Freundeskreis, die Backen.
Einfach so etwa 4 Wochen vor Weihnachten aus fadenscheinigen Gründen anrufen und irgendwie das Gespräch auf Plätzchen bringen. Wenn dann die Hörmuschel von irgendeinem tollen Rezept vorschwärmt, dann zuschlagen mit so einem Satz, wie Ach, na da bekomme ich aber ein Tütchen voll? Ja? Bitte….! – Dies wiederholt man
noch so 15 bis 20 mal und man wird zu Weihnachten völlig zugeschissen mit Kleingebäck. Ja man hat sogar, wenn es gut läuft, so viel, dass man selbst wieder welche verschenken und damit angeben kann.

2. Operation Geldgeschenke oder Wie Du mir, so ich Dir :
Was man dem oder dem schenkt, diese Frage stellt man sich alle Jahre. Nach persönlichen Wünschen fragen ist entweder sinnlos oder zu teuer. Und etwas schenken, was man selber gerne hätte ist auch blöd. Dann ist man ein Lebenlang neidisch und ärgert sich, weil man es sich nicht selber gegönnt hat. Aber die Frage nach dem richtigen Geschenk hat sich im Laufe der Zeit eh von selbst erledigt. Beliebtes Präsent ist das Geldgeschenk. Einfach was ins Kuvert stecken, dann kann sich der Betroffene selbst einshoppen, was er gerne hätte oder für nötig hält. Meistens jedoch wandern die Scheinchen in das Portemonnaie und werden beim nächsten Einkauf für Butter, Wurst und Käse ausgegeben. – Also, Schluß damit !!!
Also, nicht Schluß mit den Geldgeschenken, dies ist ja ganz praktisch, aber Schluß damit, für die Geldgeschenke Geld auszugeben. Das heißt, Geld ausgeben muss man nur für die Kuverte. Man bereitet solche Brieftaschen dekorativ mit Namen der glücklich Zubeschenkenden aus und lässt den Inhalt offen. Bei der Bescherung sollte man allerdings keine Eile an den Tag legen. Ruhig sich erstmal selbst beschenken lassen und sich der erhaltenen Papiereuros erfreuen. Man kann danach ohne schlechtes Gewissen auch mal aus dem Zimmer gehen, die anderen werden den Teufel tun nach ihrem Geschenk zu betteln, und den eben erhaltenen Inhalt in das entsprechende Kuvert zu stecken. Der Präsent-ator freut sich ebenfalls über den unerwarteten Geldsegen und ist froh nicht minder beschenkt zu haben.

3. Operation Tannenzweig
oder Was nützt dem Nachbarn ein schöner Baum, wenn er keinen hat :
Sind Sie doch mal ehrlich: Wann denken Sie an den Kauf des Weihnachtsbaumes?
Zwei Tage vor dem Fest? Drei Tage? Vier Tage? Eine Woche?
Eigentlich auch egal. Wenn man wirklich einen schönen Baum haben möchte, dann
besorgt man sich den am besten schon 6 Wochen vorher. Danach bekommt man
nur noch Remittenden. Gut, wem eine Nordmanntanne mit krummem Stamm nicht
stört oder eine Blaufichte, welche, wenn man sie glücklich nach Hause gebracht hat,
keine Nadeln mehr vorweisen kann, dann soll er die haben.
Die Frau motzt sowieso. Sie ist eh jedes Jahr der Meinung, dass der Nachbar das
schönste Nadelgehölz hat. Dies ist bei unserem Nachbarn auch keine große Kunst,
denn sein Bruder ist Oberforstverwalter und der schlägt ihm den Baum, den sich
unser Anrainer schon im Sommer ausgesucht hat, immer frisch kurz vor dem Fest
Also, warum sich denn dann noch groß Mühe machen? Einfach abwarten,
bis die Nachbarn an den stressigen Vorweihnachtstagen noch dringende Einkäufe
machen, schnell den Balkon erklimmen, auf dem das edle Gewächs ruht, und ab
damit in die eigene gute Stube. Und wenn der Nachbar dann die Feiertags-
wünsche überbringt, wird er mit Sicherheit ganz neidisch auf den schönen Baum
sein.

4. Operation Festessen oder Wie man sich gefräßige Gäste vom Leib hält
Falls man mal mit so einer Tradition angefangen hat, an einem der Feiertage Ver-
wandtschaft oder Freunde zum Essen einzuladen und man diese Tradition auf
charmante Art wieder los werden möchte, gibt es hier einige Tipps:
Tipp 1) Der 4-Jahres-Prozess
Die Attraktivität des Mahles von Jahr zu Jahr reduzieren, d.h. während
man bisher mit Kalbsbraten oder Gans seine Aufwartung machte, könnte
man beim nächsten Mal zum Beispiel ein einfaches Gulasch mit Nudeln
servieren und im Folgejahr ein Toast Hawaii. Ist man dann schließlich
irgendwann bei Brot und Dosenfisch angekommen, können die nächsten
Feiertage ganz bestimmt ohne lästige Besucher verbracht werden.
Tipp 2) Projekt Akut
Die ganze Wohnung mit Hilfe einer Nebelmaschine so vollqualmen, dass
der ganze Rauch aus sämtlichen Fenster- und Türritzen nach draußen
dringt. Der Hausherr kann dann die ankommenden Gäste schon vor dem
Eingang abfangen und sich dafür entschuldigen, dass das ganze Essen
verbrannt sei.
Tipp 3) Die rhethorische Abschiebung
Während dem üblichen Festtagsschmaus über das kredenzte Essen
reden. Zum Beispiel: „Die Gans habe ich lebendig bei einem Bauern
ausgesucht und habe sogar beim Schlachten zugesehen. Das Blut
spritzte überall herum und geschrien hat das Vieh…“ oder „Meine Frau
ist ein richtiges Ferkel in der Küche. Ich mag Euch gar nicht sagen,
wie sie dieses Mousse au chocolat zubereitet hat und wie lange es
gedauert hat, die sämtlichen Fingerspuren wieder zu entfernen.“
Also hier sind den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt.

So, nun mache ich aber Schluss mit meinen Ratschlägen, nicht dass Sie sich am Ende noch auf das Weihnachtsfest freuen. Aber ich hoffe, dass für den ein oder anderen ein nützlicher Tipp dabei war und er oder sie nun etwas entspannter die Tage auf sich zukommen sieht.
Ich wünsche trotzallem eine frohlockende Weihnacht.

Kommentieren

You must be logged in to post a comment.